Vom „Trommel- und Pfeifencorps“ zum „Spielmannszug“

Spielleute im Schützenverein Brockel

 

(geschrieben von Alfred Hoffmann, Ehrenspielmannszugleiter)

 

Vorbemerkung:

 Der Kunstmaler Franz Veersemann aus Brockel berichtete, dass es schon Anfang 1900 einen Spielmannszug (damals Trommel- und Pfeifencorps) angeführt von seinem Vater Hermann Veersemann in Brockel gab. Bestätigt wird das erstmals durch Eintragungen in das Kassenbuch des Schützenvereins 1908/09. Damit dürfte der Schützenverein Brockel den ältestes Spielmannszug im Landkreis in seinen Reihen haben. Eine weitere sichere Dokumentation ist der Fund einer Trommel durch Otto Jilg auf der das Jahr 1912 angegeben ist.  Diese Trommel wurde von einer Musikalien-Handlung in Peine restauriert, finanziert von Martin Raatz (Estrichbau) und Reinhard Studtmann (Blitzschutzanlagen). Außerdem existiert noch eine „Trommelflöte“ aus Holz und in B gestimmt. Sie gehörte dem Malermeister Friedrich von Wiegen und später hat sich auch Helmut von Wiegen gespielt. Auch der alte Tambourstab von Heinz Bendig, gedrechselt von der Drechslerei Meyer, Brockel , ist noch vorhanden. Die historischen Instrumente lagern zur Zeit beim Ehrenspielmannszugleiter Alfred Hoffmann.

 

Die Geschichte des Spielmannszuges geht auf das Trommel- und Pfeifencorps des Schützenvereins Brockel e.V. zurück. Im Kassenbuch des Schützenvereins, das Eintragungen ab 1887 enthält, sind bereits in den Jahren 1908/09 Ausgaben für Musikinstrumente und die Anschaffung neuer Trommelfelle vermerkt.

 

Das Trommel- und Pfeifencorps stand unter der Leitung von Tambourmajor Hermann Versemann, der schon Spielmann bei den kaiserlichen Truppen Kaiser Wilhelms II. in Friedens- und Kriegszeiten war. Später übernahm Sohn Hermann dieses Amt. Dieser ist, so geht aus den Gesprächen mit seinem Bruder, dem Kunstmaler Franz Veersemann, hervor, mit Leib und Seele Soldat und Spielmann und führte ein strenges Regiment. Das Trommel- und Pfeifencorps wurde zum Schützenmusikkorps Brockel und war laut Berichten der einzige in dem damaligen Nord-West-Gau. Die Nazi-Ära nahm auch das Schützenmusikkorps in Beschlag und wurde zeitweilig Gau-Musikkorps genannt. Brockel wurde eine Zentrale für die Ausbildung von Spielleuten.

 

Nach dem 2. Weltkrieg finden sich 1948 ein paar alte Hasen und junge Spielleute unter Tambourmajor Heinz Bendig zusammen. Am 15. und 16. August 1948, beim ersten Ernte- und Volksfest nach dem Kriege, marschiert ein stattlicher Spielmannszug mit durch das Dorf. Damit nimmt der Spielmannszug Brockel als erster im Kreis seinen Spielbetrieb wieder auf.

Seit 1949 finden wieder Schützen-, Ernte- und Volksfeste statt, die stets vom Spielmannszug begleitet werden. Der Spielmannszug hat auch Mitglieder aus Hemslingen, so ist es immer eine stattliche Truppe, die den Rundmarsch anführte. Mit dabei ist auch stets das 1948 gegründete Blasorchester Brockel. Seit 1948 bis heute fehlt das Blasorchester bei keinem Fest des Schützenvereins.

 

Viele verschiedene Gründe,  sowie der viel zu frühe Tod von Schorse Oetjen, der den Nachwuchs ausbildet, führt dazu, dass der Spielmannszug 1968 aufgelöst wird.

 

Doch der Schützenverein Brockel ohne Spielmannszug – das kann sich keiner vorstellen. 1971 beim traditionellen Schützenfrühstück wird der Kinder-Spielmannszug des Schützenvereins Brockel e.V. ins Leben gerufen. Starken Anteil haben Ernst Lüdemann und Erwin Paul an den Neuanfang. Anneliese Krüger, Anita Lüdemann und Albert Kröger werden Betreuer der jungen Spielleute. Später nennt er sich Kinder- und Jugendspielmannszug, dann Jugendspielmannszug und heute Spielmannszug des Schützenvereins Brockel e. V. und ist nach wie vor fester Bestandteil des Schützenvereins.

 

Weiteres: Siehe Festschrift „10 Jahre Jugendspielmannszug Brockel“ Entwicklung, Zeltlager usw.

 

Der Spielmannszug des Schützenvereins Brockel e.V. hat nicht nur Auftritte bei den Festen und Ausmärschen in der näheren und weitern Umgebung. Sie planen und organisieren Dorffeste und Treffen der Spielmanns-, Fanfaren- und Musikzüge. Die Schützenmitglieder unterstützen den Spielmannszug dabei tatkräftig.

 

1981 wird das 10jährige Bestehen seit der Neugründung gefeiert.  Für Tanzmusik sorgt die Band des „Heeresmusikkorps 3“. Zu Gast ist der befreundete Musik- und Majorettenzug aus Allagen/Möhne (Sauerland).

 

In den Jahren 1983/84 sind wir dann mit einer großen Abordnung gern gesehene Gäste in Allagen und nehmen dort an der Fasching-Festsitzung teil. Wir dürfen in der Schule übernachten und können uns dort auch verpflegen. Die Teilnehmer werden sich immer gerne daran erinnern. Leider schlief die Verbindung zu dem Musikzug später ein.

 

Das Dorffest 1986 zum 15jährigen Bestehen ist ein weiterer erfolgreicher Höhepunkt. Das bunte Programm wird, wie auch bei weiteren Dorffesten, überwiegend von Anke Brunner geb. Sackmann und Astrid Thies geb. Studtmann zusammengestellt. Gerne erinnern wir uns heute an die „Hitparade“, der Modenschau, an die Tänze nach der Musik des „Can Can“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“. Nicht zu vergessen der Schwanentanz – das „Männerballett“.

 

Am 21.September 1986 findet das 30. Heidefreundschaftstreffen hier in Brockel statt. Mit 50 teilnehmenden Spielmanns-, Fanfaren- und Musikzügen ist es eines der größten Heidefreundschaftstreffen überhaut. Nach dem Festakt finden die Bühnenspiele in der Mehrzweckhalle und auf dem kleinen Sportplatz statt. Hier ist einmal allen Vereinsmitgliedern zu danken. Ohne ihre Unterstützung ist ein Treffen mit so vielen Vereinen nicht erfolgreich zu organisieren.

 

Die Erfolge der Veranstaltungen tragen dazu bei, dass der Schützenverein seinen Spielleuten  neue Uniformjacken spendiert. Ein etwas anderes grün und mit Kragen, eben richtige Uniformjacken so wie sie heute noch getragen werden. Während der dreitägigen Kultur- und Bildungsfahrt in die Hauptstadt Bonn wird die neue Uniform beim Auftritt auf der Rathaustreppe „eingeweiht“.

 

Ein weiteres Ereignis ist dann zu Pfingsten 1989 der Besuch des polnischen Orchesters aus Ostrow/Wilkopolska. Viele schöne Begegnungen und Erlebnisse haben wir mit den polnischen Musikern. Der Gegenbesuch des Spielmannszuges folgt dann auch zu Pfingsten 1990. Alle Teilnehmer sind von der polnischen Gastfreundschaft sehr beeindruck und wir sammeln viele positive Eindrücke.

 

Zum 25jährigen Jubiläum 1996 ist selbstverständlich wieder ein Dorffest fällig. Im Programm wird ein wenig Rückblich gehalten. Ziemlich spontan haben sich auch ehemalige Spielleute der letzten 25 Jahre zusammen gefunden und zeigen, dass sie es auch noch können. Im Anschluss an das Erntefest 1996 findet das Kreismusikfest der Spielmanns-, Fanfaren- und Musikzüge des Kreisschützenverbandes Rotenburg (Wümme) e. V. hier statt. Die teilnehmenden Züge wurden auf „Carstens Hof“ (Sackmann) zum Festakt empfangen und im Schützenholz fanden die Bühnenspiele statt.

 

Auf Reisen geht der Spielmannszug auch wieder. Diesmal ist Mainz das Ziel. Wir unternehmen viel. Auch eine Führung beim ZDF mit anschließendem Besuch in  der Sendung „Drehscheibe“ (heute „Hallo Deutschland“) ist angesagt. Den Auftritt in der Sendung haben wir jedoch nicht. Da gibt es doch einige enttäuschte Gesichter.

Die Ausbildung der Spielleute, Stamm- und Nachwuchsspieler, hat Alfred Hoffmann nach dem Ausscheiden von Anke Brunner geb. Sackmann übernommen. Die Ausbildung des Nachwuchses wird auf „Spielen nach Noten“ umgestellt. Der Stamm spielt zunächst weiter  nach „Zahlen“. Nach „Zahlen“ heißt: Jede Note hat eine Zahl. Der Übergang auf „spielen nach Noten“ erfolgte langsam. Ab Januar 1996 wurde der Musiklehrer Heinz Jacobi für die Ausbildung der Stammspieler verpflichtet. Jetzt wird nur noch „nach Noten“ gespielt. Der Nachwuchs wird noch weitere Jahre von Alfred Hoffmann ausgebildet – danach auch von Heinz Jacobi. 2009 beendet Heinz Jacobi die Ausbildung der Spielleute des Spielmannszuges Brockel und neuen Ausbilder wird Werner Falke. 

 

 

Alfred Hoffmann gibt 1998 das Amt des Spielmannszugleiters ab. Stephan Lohmann wird sein Nachfolger. Während der außerordentlichen Generalversammlung beim Schützenfrühstück 1998 wird er von der Versammlung zum Ehrenspielmannszugleiter des Spielmannszuges des Schützenvereins Brockel e. V. ernannt.  Für seine langjährige Tätigkeit wurde Alfred Hoffmann mehrfach vom Niedersächsischen Schützenverband, Abteilung Musik und von der Bundesvereinigung Deutscher Blas- und Volksmusiker ausgezeichnet.

 

Seit 2009 leitet Hedi Schöning den Spielmannszug.

 

Weitere Informationen bei

Hedi Schöning Spielmannszugleiterin Tel.: 04266-94206 / Mobil:0151/55609955

oder  Nadine Raatz

 

Vielleicht schaut ihr auch einfach mal donnerstags zwischen 18.00 Uhr und 20.00 Uhr in der Mehrzweckhalle vorbei. Dort sind dann unsere Übungsabende. Wir freuen uns über jeden, der Lust hat mit uns zu musizieren.

 

 

 

 

 

 

Schützenverein Brockel e.V. | info@sv-brockel.de